Gehirnerschütterungen richtig handhaben

GEHIRNERSCHÜTTERUNG BEI KINDERN


Es gibt derzeit keine Richtlinien für die Untersuchung und das Rehabilitations-Management von Gehirnerschütterungen bei Kindern. Zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es in Zusammenhang mit Gehirnschütterungen einige wichtige Unterschiede.
Das Überraschende ist, dass bei Kindern 2- bis 3-fach größere Kräfte vonnöten sind als bei Erwachsenen, um eine Gehirnverletzung gleichen Ausmaßes hervorzurufen.

Ein möglicher Grund ist, dass der Kopf eines Kindes bei Krafteinwirkung elastischer ist, weil er eine andere Struktur als beim Erwachsenen besitzt. Eine weitere Begründung wäre, dass ein Kind auf eine Schlageinwirkung anders reagiert als ein Erwachsener. Durch den unterschiedlichen Aufbau von Gehirn und Schädel sind Kinder besonders anfällig für die seltene, jedoch möglicherweise lebensbedrohliche Komplikation des Hirnödems. Dafür erholen sich Kinder nach einer Gehirnerschütterung scheinbar schneller als Erwachsene.

Sollten Kinder nach den gleichen Kriterien beurteilt werden wie Erwachsene? Viele machen das, weil es keine Alternativen gibt, dennoch ist hier Vorsicht geboten. Neuropsychologische Untersuchungen sind bei Kindern nicht so exakt wie bei Erwachsenen, weil Kinder noch in der Entwicklungsphase sind. Die Untersuchungsergebnisse sind umso besser, je älter die Kinder sind. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der 9 bis 15 jährigen. Auch wenn eine neuropsychologische Untersuchung bei einem Kind das gleiche Ergebnis wie vorher anzeigt, so könnte das Kind dennoch eine deutliche Schädigung erlitten haben, wenn der Basiswert vor Beginn der Saison ermittelt wurde, die Gehirnerschütterung aber am Saisonende auftrat. Es wäre daher ratsam, bei Kindern, die Kontaktsportarten betreiben, nicht jährlich, sondern halbjährlich die Basiswerte zu bestimmen.

Bei Kindern mit Gehirnerschütterung sind in der Regel Untersuchungen wie Röntgen, CT oder MRT des Schädels nicht erforderlich. Wie bei Erwachsenen besteht das Management einer Gehirnerschütterung bei Kindern ebenfalls aus sorgfältiger Beobachtung, Ruhe und schrittweise Wiederaufnahme der sportlichen Tätigkeit nach Abklingen der Symptome.

ÄNDERE DEINE EINSTELLUNG,
NICHT DAS SPIEL

RÜCKKEHR ZU AKTIVITÄTEN


Liegen sowohl in Ruhe als auch unter Belastung keine Beschwerden mehr vor und zeigen auch die neuropsychologischen Testresultate keine Auffälligkeiten, kann im Rahmen eines interdisziplinär überwachten Prozesses mit der schrittweisen Rückkehr in das Trainings- und Wettkampfgeschehen („Return-to-Play“) begonnen werden (siehe Stufenplan). Zwischen jeder Stufe des Return-to-Play-Plans sollten etwa 24 Stunden liegen. Der Athlet sollte zur vorherigen Stufe zurückkehren, wenn Symptome wieder auftreten (= Anzeichen inkompletter Regeneration).

Dr. Andreas Max Eidenmüller (Dipl.-Psych., Klinischer Neuropsychologe)

Wie oben angegeben sollte jeder Schritt der Genesung nur versucht werden, wenn sich keine Anzeichen oder Symptome auf eine Gehirnerschütterung zeigen. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass eine Gehirnerschütterung oder eine Kopfverletzung in der Regel nicht in einer typischen linearen Weise heilt oder sich verbessert. Prognosen wie „am ersten Tag haben Sie diese Symptome und am siebten Tag sollten Sie diese haben“, wie es bei anderen allgemeinen orthopädischen Verletzungen üblich ist, gibt es nicht!

Der Kopf ist geheimnisvoll und reagiert bei jeder einzelnen Person anders. Rückschläge sind normal und sollten erwartet werden. Wenn sie auftreten, sollten Sie zum vorherigen Schritt in diesem Prozess zurückkehren und erneut damit beginnen. Sie sollten nicht in die Schule/ die Arbeit/ den Beruf zurückkehren, bis die Symptome deutlich besser sind. Der Wiederbesuch der Schule/ die Aufnahme der Arbeit/ die Rückkehr in den Beruf sollte möglicherweise modifiziert werden (häufige Pausen, etc.).

STUFENPLAN ZUR RÜCKKEHR IN DAS TRAININGS- UND WETTKAMPFGESCHEHEN (MODIFIZIERT NACH MCCRORY ET AL. , 2009)


1. Keine Aktivitäten; Körperliche und geistige Ruhepause.

2. Leichtes Ausdauertraining z.B. Walken, Schwimmen, Ergometrie Training.

3. Sportspezifisches Training z.B. Lauftraining (Fußball, Handball), Skating (Eishockey); noch keine Aktivitäten mit Kopfbeteiligung.

4. Training ohne Körperkontakt z.B. Passtraining, Wurftechniktraining.

5. Training mit vollem Körperkontakt Teilnahme am „normalen“ Training nach medizinischer und neuropsychologischer Abklärung.

6. Rückkehr in das Wettkampfgeschehen.
Dr. Andreas Max Eidenmüller (Dipl.-Psych., Klinischer Neuropsychologe)

SCHLÜSSEL ZUR WIEDERAUFNAHME



Nach einer sportbedingten Gehirnerschütterung sind physische und mentale (z. B. kognitive) Erholung der Schlüssel zur Genesung, sagt Dr. William P. Meehan. Dies bedeutet keine Videospiele, Hausaufgaben oder andere Aktivitäten, die das Gehirn zwingen, extra hart zu arbeiten.

DIE ENTSCHEIDUNG DER WIEDERAUFNAHME



Wann ein Jugendlicher oder Profi-Athlet nach Auftreten der Symptome einer Gehirnerschütterung die Wiederaufnahme in den Trainings- oder Wettkampfbetrieb beginnen kann, hängt von vielen Faktoren ab, sagt Dr. William Meehan. Hier spielen das Alter des Athleten, Baseline-Testdaten, die Zeit um Symptome auszukurieren und die Schwere der Gehirnerschütterung sowie persönliche Umstände eine Rolle. Sobald der Patient symptomfrei ist, ist es empfehlenswert, dass sich jeder Athlet einem abgestuften Programm von leichten Übungen und Tests unterzieht, wie zum Beispiel leichtes Krafttraining.

Sportler die sich von einer Gehirnerschütterung erholen sollen sich nicht in kurzer Zeit von 0% körperlicher Anstrengung auf 100% Anstrengung bewegen. Tests sind nicht nur wichtig für die Feststellung körperlicher Wiederbelastbarkeit, sondern auch um vor einem Rückfall zu schützen und zu verhindern, dass eine zu frühe Rückkehr zum Sport stattfindet. Es ist bekannt, dass Gehirnerschütterungssymptome durch körperliche Anstrengungen verschärft werden können. Auch wenn Sie sich wohl fühlen, sind Laufen, Springen, oder Stick-Handling Dinge, welche dazu führen können das Ihre Symptome zurückkehren.

Das Return-to-Play-Verfahren ist ein sukzessiver Prozess. Die erste Stufe umfasst in der Regel leichtes Radfahren oder Joggen um Ihre Herzfrequenz in einer moderaten Höhe zu steigern. Wenn während oder innerhalb von 24 Stunden nach dieser Trainingseinheit keine Symptome auftreten, können Sie zu einem schwierigeren Trainingsprogramm übergehen. Schließlich können Sie das Training auf dem Feld oder auf dem Eis wieder aufnehmen und schließlich die volle Spielpraxis (mit medizinischer Freigabe) voranzutreiben. Der gesamte Prozess kann von 5 Tagen bis 2 Wochen andauern, je nach Ihrer spezifischen Situation und/oder den Bestimmungen der Sportorganisation der sie angehören. Zu jeder Zeit, wenn Ihre Symptome wieder auftreten, müssen Sie auf ein niedrigeres Niveau der körperlichen Anstrengung und Aktivität umstellen. Dies ist abhängig von den Beratungen und den Anweisungen, welche sie durch Ihren Arzt erhalten.

Seien Sie aufmerksam und denken Sie daran: Wenn Sie eine Kopfverletzung haben oder eine Gehirnerschütterung vermuten, konsultieren Sie auf jeden Fall einen Arzt, vorzugsweise einen Neurologen, welcher Erfahrungen mit Gehirnerschütterungen hat.

Shift Concussion Management Program

SCC bietet ein fortschrittliches und zeitgemäßes Herangehen an Behandlung von Gehirnerschütterung und deren Nachsorge.