Informationen für Patienten und Angehörige

Leichte Kopfverletzungen/Gehirnerschütterungen kommen relativ häufig vor und werden in der Regel durch einen Schlag auf den Kopf verursacht, etwa beim Sport oder bei einem Unfall. Betroffene berichten oft, durch die Verletzung für eine kurze Zeit benommen oder bewusstlos gewesen zu sein. Außerdem schildern sie häufig, sich nicht an Ereignisse kurz vor, während oder kurz nach der Verletzung erinnern zu können. Dies sind gewöhnliche Folgeerscheinungen und kein Grund zur Sorge. Obwohl viele Personen nach einer Verletzung nicht gleich zum Arzt gehen, kann es nötig sein, eine Abklärung im Krankenhaus vornehmen zu lassen. Eine in diesem Fall routinemäßige Untersuchung würde eine gründliche medizinische Untersuchung und gegebenenfalls eine Bildgebung des Gehirns beinhalten, um schlimmere Verletzungen auszuschließen. Ob eine Abklärung im Krankenhaus notwendig ist, sollte Ihr Arzt entscheiden. Auf jeden Fall sollten Sie sich medizinische Hilfe suchen, wenn die anfänglichen Beschwerden innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach der möglichen Kopfverletzung deutlich schlimmer werden oder neue Beschwerden hinzukommen.

TYPISCHE BESCHWERDEN


Wenn nach einer leichten Kopfverletzung ein paar typische Beschwerden auftreten, ist dies kein Grund zur Panik. So sind Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken von Ereignissen vor oder nach der Verletzung typische Zeichen einer leichten Kopfverletzung. Weitere vorübergehende Beschwerden, die häufig berichtet werden, sind Kopfschmerzen, verschwommenes oder unscharfes Sehen, Lichtempfindlichkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Reizbarkeit oder andere Stimmungsveränderungen, wie Depressionen oder Ängste. Nur sehr wenige Betroffene erleben all diese Beschwerden gleichzeitig.

DAUER DER BESCHWERDEN


Die meisten Beschwerden, die nach einer leichten Schädel-Hirn-Verletzung/Gehirnerschütterung auftreten können, verschwinden auch ohne Behandlung nach einer kurzen Zeitspanne von einigen Tagen oder wenigen Wochen wieder. Beschwerden, die länger als drei bis sechs Monate fortbestehen, sind sehr selten. Dabei sollten Sie bedenken, dass auch Menschen ohne Schädel-Hirn-Verletzung im Alltag hin und wieder unter Beschwerden leiden, die nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma auftreten können (z. B. Kopfschmerzen, Erinnerungslücken). Genesung bedeutet also nicht völlige Beschwerdefreiheit sondern Rückkehr zum persönlichen Gesundheitszustand vor der Schädel-Hirn Verletzung.

Sollten Sie in der jüngeren Vergangenheit bereits eine leichte traumatische Kopfverletzung erlitten haben ist besondere Vorsicht geboten, da ihr Gehirn dadurch für eine gewisse Zeit anfälliger ist und sich daher eine weitere Kopfverletzung wesentlich gravierender auswirken kann. Im Falle zweier kurz aufeinander folgender leichter traumatischer Kopfverletzungen kann es vorkommen, dass die oben beschriebenen Beschwerden stärker sind und möglicher Weise länger andauern.

DIAGNOSTIK UND BEHANDLUNG


Ziel der Behandlung ist es, Betroffenen zu helfen, ihre Verletzung besser zu verstehen und eine angemessene Einschätzung ihrer Verletzungsbedingen Beschwerden zu entwickeln. Eine genaue Selbsteinschätzung und eine angemessene Erwartung darüber, wie der Erholungsprozess ablaufen wird, helfen den Betroffenen, mit ihren Beschwerden im Laufe des Erholungsprozesses besser umzugehen. Um eine baldige Besserung der Beschwerden zu erreichen, kann es hilfreich sein, seinen Lebensstil und bestimmte Verhaltensweisen vorübergehend zu verändern (etwa Einhaltung regelmäßiger Schlafenszeiten). Auch die Einnahme von Medikamenten, die vom Arzt verschrieben wurden kann unterstützend wirken. Durch die Behandlung soll es Betroffenen ermöglicht werden, Alltagstätigkeiten wie z. B. Arbeit, Studium oder Training, in einem angemessenen Zeitrahmen wieder aufzunehmen.

Ärzte und Therapeuten erarbeiten gemeinsam mit dem/der Betroffenen Mittel und Wege, mit auftretenden Beschwerden während des Erholungsprozesses bestmöglich umzugehen. Die Behandlungsmaßnahmen und konkreten Ratschläge richten sich dabei nach der persönlichen Vorgeschichte (Krankheitsgeschichte o. ä.) und den aktuellen Beschwerden. Die übergeordneten Ziele sind die Steigerung der Lebensqualität während der Erholungsphase und die schnelle Rückkehr zu Alltagstätigkeiten wie Arbeit oder Studium, und natürlich auch die Rückkehr ins Trainings- und Spielgeschehen.
Die Rückkehr in das Trainings- oder Spielgeschehen nach einer leichten Schädel-Hirn-Verletzung erfolgt üblicherweise durch eine stufenweise Steigerung der körperlichen und geistigen Belastung. Welcher Zeitpunkt hierfür geeignet ist, kann im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung und einer neuropsychologischen Prüfung der geistigen Leistungsfähigkeit (Aufmerksamkeit / Konzentration, Gedächtnis) ermittelt werden. Der Teamarzt wird in Zusammenarbeit mit einem Neuropsychologen einen individuellen Plan zur Rückkehr in das Trainings- und Spielgeschehen ausarbeiten.

NACHSORGE UND WEITERBETREUUNG


Treten weder in Ruhe noch nach Belastungen nennenswerte Beschwerden auf, ist der Erholungsprozess nach der leichten Schädel-Hirn-Verletzung aller Wahrscheinlichkeit nach abgeschlossen. Beim wieder Auftreten von Beschwerden sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Dieser wird dann nach Rücksprache mit dem zuständigen Neuropsychologen entscheiden, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen und/oder Behandlungsschritte zu unternehmen sind.